FEEDBACK – TOOL
Mit dem Johari Fenster im Feedback das Feld des „freien Handelns“ vergrößern
Ziel des Johari Fenster ist es, das „Feld des freien Handelns“ zu erweitern. Hier sind die Motivation und das Handeln sowohl einem selbst als auch den anderen bekannt. Hier können wir uns authentisch zeigen und uns frei in Gruppen bewegen.
Das Johari Fenster ist eines der bekanntesten Modelle für Selbstwahrnehmung und Feedback in Teams. Entwickelt von den US-amerikanischen Psychologen Joseph Luft und Harry Ingham, hilft es dabei zu verstehen, warum wir uns in Gruppen manchmal missverstanden fühlen – und wie offenes Feedback das ändern kann. Ich nutze das Modell regelmäßig in Teamworkshops und Coachings, weil es Komplexes einfach sichtbar macht.
Das Johari Fenster setze ich häufig in Teamworkshops ein – als Einstieg in Feedback-Prozesse oder zur Reflexion von Kommunikationsmustern. Wenn Sie das Modell praktisch erleben möchten: Mehr zu meinen Teamworkshops oder direkt Kontakt aufnehmen.
Die vier Quadranten des Johari Fenster
Das Modell unterteilt das Verhalten und Erleben einer Person in Gruppen in vier Bereiche – je nachdem, ob bestimmte Informationen der Person selbst und/oder den anderen bekannt sind.

Quadrant A: Die Arena – freies Handeln
Dieser Bereich umfasst alles, was mir selbst und den anderen bekannt ist. Hier bin ich authentisch, offen und für andere berechenbar. Kommunikation funktioniert reibungslos. Das Ziel des Johari Fensters ist es, diesen Bereich durch aktives Feedback zu vergrößern – denn je größer die Arena, desto freier und effektiver die Zusammenarbeit.Hierbei handelt es sich um den Bereich der öffentlichen Sachverhalte und Tatsachen. Alles, was hier hineinfällt, ist mir und den anderen bekannt. In diesem Bereich sind wir frei von Ängsten, offen und können uns zeigen, wie wir sind.
Quadrant B: Der blinde Fleck
Hier befinden sich Verhaltensweisen und Wirkungen, die andere an mir wahrnehmen – die mir selbst aber nicht bewusst sind. Klassisches Beispiel: Jemand unterbricht in Meetings regelmäßig andere, merkt es aber nicht. Feedback – wenn es offen und konstruktiv gegeben wird – macht diesen blinden Fleck sichtbar und schafft die Möglichkeit zur Veränderung.
Quadrant C: Mein Geheimnis oder die Fassade
Dieser Bereich enthält Informationen, die mir bekannt sind, die ich aber (noch) nicht mit anderen teile. Das können Unsicherheiten sein, persönliche Überzeugungen oder auch Kritik die ich zurückhalte. Je mehr Menschen in einem Team hinter Fassaden agieren, desto mehr Energie geht für Raten, Interpretieren und Missverstehen verloren.
Quadrant D: Das Unbekannte oder Unbewußte
Dieser Bereich umfasst Aspekte, die weder mir selbst noch anderen bekannt sind – unbewusste Muster, verborgene Potenziale oder tieferliegende Überzeugungen. Coaching und intensive Teamentwicklung können helfen, diesen Bereich schrittweise zu erschließen.Quadrant D: „Unbewusst“

Das Johari Fenster in der Praxis – wie ich es einsetze
In Teamworkshops nutze ich das Johari Fenster besonders dann, wenn ein Team lernen will, offener miteinander zu kommunizieren – oder wenn Rückmeldungen bisher kaum gegeben wurden. Das Modell schafft einen neutralen Rahmen: Es macht Feedback zu einem strukturierten Prozess statt zu einem persönlichen Angriff.
Typische Situationen in denen das Modell hilfreich ist: Teams die zwar gut funktionieren, aber kaum über Zusammenarbeit sprechen. Führungskräfte, die wissen möchten wie sie auf andere wirken. Gruppen in denen Konflikte unter der Oberfläche schwelen weil niemand ausspricht was alle denken.
Das Johari Fenster gibt diesen Gesprächen eine Struktur – und macht es leichter, Dinge anzusprechen die sonst offen bleiben.
In der Teamentwicklung zielt das Johari-Fenster darauf ab, den Bereich des „freien Handelns“ (Fenster A) zu vergrößern. Dabei sollten die Quadranten B („Mein Geheimnis“) und C („Blinder Fleck“) kleiner werden. Dies verbessert die Transparenz, das gegenseitige Verständnis und das Vertrauen im Team.
Zwei zentrale Methoden zur Erweiterung des „freien Handelns“:
- Konstruktives Feedback:
Durch gezieltes und offenes Feedback kann das Team blinde Flecken (Fenster C) aufdecken. Hierdurch wird das Verständnis für das eigene Verhalten verbessert, und Verhaltensweisen, die zuvor unbewusst waren, werden sichtbarer. Dies reduziert die Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung. - Vertrauensbildende Maßnahmen:
Teambuilding-Aktivitäten und Maßnahmen, die das Vertrauen fördern, ermutigen die Teammitglieder, mehr von sich preiszugeben. Dies verkleinert das Fenster B („Mein Geheimnis“) und stärkt die Offenheit und Ehrlichkeit im Team. Dadurch entsteht ein Klima, in dem sich alle sicher fühlen, authentisch zu handeln. Konstruktives Feedback ermöglicht den Blick auf blinde Flecken und verkleinert damit Fenster C.
Das Ziel: Eine offene Feedbackkultur
Langfristig führt der Einsatz des Johari-Fensters dazu, dass Teams eine gemeinsame Feedbackkultur entwickeln, in der Selbstoffenbarung und Feedback selbstverständlich werden. Dies sorgt für mehr Transparenz, gegenseitiges Verständnis und eine effektive Zusammenarbeit.
Quadrant D: „Das Unbewusste“ im Johari Fenster
Der Quadrant D im Johari-Fenster, auch „Unbewusst“ genannt, erfordert besonderes Fingerspitzengefühl, da er sich mit Aspekten beschäftigt, die weder der Person selbst noch anderen bekannt sind. Dieser Bereich umfasst tiefere, oft verborgene Aspekte wie unbewusste Talente, kulturelle Prägungen oder Glaubenssätze. Solche Themen liegen meist außerhalb des alltäglichen Bewusstseins und bedürfen besonderer Achtsamkeit.
Die Arbeit mit dem Unbewussten erfordert oft eine intensivere Auseinandersetzung, die in einem individuellen Coaching sinnvoller ist als in einer Teamarbeit. Hier können unbewusste Muster und Potenziale ans Licht gebracht werden.
Trotzdem bleibt das Johari-Fenster ein wertvolles Instrument, um in Teams die Bedeutung von Feedback und die Notwendigkeit einer offenen Feedbackkultur zu verdeutlichen. Es hilft dabei, Selbst- und Fremdwahrnehmung abzugleichen und so die Zusammenarbeit zu verbessern.

Praxisbeispiel Johari Fenster
Ein Team von Personalreferentinnen betreut gemeinsam die internen Kunden bei verschiedenen Anliegen. Eine der Kolleginnen äußert im Rahmen eines Pausengesprächs die Überzeugung: „Ich kann besonders gut kommunizieren und bin in der Lage, flexibel auf die Anliegen der Führungskräfte einzugehen“. Bei genauerer Betrachtung kann beobachtet werden, dass einige ihrer Kolleginnen die Augen verdrehen, da sie offensichtlich anderer Meinung sind. Wenn das Team nicht schon so „reif“ ist, dass es einen angemessenen Rahmen findet, sich gegenseitig konstruktives Feedback zu geben, würden wir eventuell an dieser Stelle hängenbleiben und die Arbeit des Teams wäre nicht so effektiv, wie sie sein könnte.
Im Rahmen eines Teamentwicklungsworkshops zum Thema Rollen, Kommunikation, Feedback könnte hingegen gewinnbringend (auch) an der oben beschriebenen Abweichung des Selbst- und Fremdbilds gearbeitet werden. Möglicherweise käme dabei zur Sprache, dass die Teammitglieder die Stärke eher bei der Gewissenhaftigkeit der Kollegin sehen und sie darüber hinaus ermutigen, öfter einmal ihr spontanes und flexibles Verhalten einzuüben, indem beispielsweise ein Workshop nicht 100 % genau ins Detail geplant wird.
Übung: Selbstreflexion und Feedback: Blinde Flecken erkennen
Eine tiefgehende Methode, um die eigenen blinden Flecken zu entdecken und authentischeres Feedback zu erhalten, ist es, gezielt Freunde, Kollegen oder Vertrauenspersonen um eine Einschätzung zu bitten. Dabei sollten die Fragen über bloße Stärken und Schwächen hinausgehen, um eine fundierte Reflexion und Entwicklung zu ermöglichen.
Vorschläge für vertiefende Feedback-Fragen:
- Welche Verhaltensweisen oder Eigenschaften zeige ich, die dir besonders positiv auffallen, und warum?
Diese Frage hilft, konkrete Verhaltensweisen zu identifizieren, die im sozialen Umfeld geschätzt werden. - Welche Verhaltensweisen oder Gewohnheiten fallen dir bei mir auf, die ich selbst möglicherweise nicht wahrnehme?
Ziel dieser Frage ist es, blinde Flecken in der Selbstwahrnehmung zu erkennen und zu verstehen, wie das eigene Verhalten auf andere wirkt. - Gibt es Situationen, in denen ich unbewusst meine Stärken zurückhalte oder weniger selbstbewusst auftrete?
Hierdurch wird reflektiert, in welchen Momenten man möglicherweise unbewusst Potenziale nicht voll ausschöpft. - Wann oder in welchen Kontexten könnte ich mein Verhalten oder meine Herangehensweise an bestimmte Situationen überdenken, um effektiver zu sein?
Diese Frage lädt zu konstruktiver Kritik ein und regt an, über unbewusste Handlungsweisen nachzudenken. - Was glaubst du, könnte ich tun, um offener und authentischer in meiner Kommunikation oder meinem Verhalten zu werden?
Hier geht es darum, zu erfahren, wie man sich weiter öffnen kann, um authentischer und zugänglicher für andere zu wirken. Was sind deiner Meinung nach 3 Stärken, die ich habe?
Reflexion über das Feedback
- Innere Vorbereitung:
Vor dem Einholen des Feedbacks ist es wichtig, sich zu fragen, ob man wirklich bereit ist, ehrliches und manchmal unerwartetes Feedback anzunehmen. Offenheit und Selbstreflexion sind hierbei der Schlüssel, ohne sich direkt zu verteidigen oder zu rechtfertigen. - Verarbeitung:
Nach dem Feedback sollte man es in Ruhe auf sich wirken lassen und sich fragen: Welche neuen Erkenntnisse habe ich gewonnen? Wo sehe ich blinde Flecken, an denen ich arbeiten kann?
Selbstoffenbarung üben: Vertrauen durch Ehrlichkeit schaffen
Für die Erweiterung des „Feldes des freien Handelns“ eignet sich besonders der bewusste Austausch im Gespräch unter vier Augen. Tiefe und Vertrauen entstehen oft, wenn wir uns entscheiden, etwas Persönliches von uns preiszugeben. Eine Möglichkeit, dies im Alltag zu üben, wäre, bei der Frage „Wie geht’s?“ ehrlich zu antworten und mehr als nur „gut“ zu sagen. Teilen Sie gelegentlich, was Sie wirklich beschäftigt – natürlich im Rahmen dessen, was für Sie angemessen ist.
Tiefere Fragen zur Selbstoffenbarung:
- Was beschäftigt mich gerade wirklich und warum?
- Gibt es etwas, worüber ich bisher ungern spreche, das ich jetzt teilen möchte?
- Welche Emotionen oder Gedanken halten mich aktuell zurück, mich authentisch zu zeigen?
Durch solche Gespräche können Sie Vertrauen schaffen und das Feld des „freien Handelns“ bewusst erweitern. Letztlich gilt: Jeder entscheidet selbst, wie viel er offenbaren möchte, doch jede kleine Geste der Ehrlichkeit kann zu einem tieferen Verständnis und stärkeren Verbindungen führen.
Sie möchten Feedback-Kultur in Ihrem Team konkret entwickeln – nicht nur ein Modell verstehen? In meinen Teamworkshops arbeite ich mit dem Johari Fenster und anderen Methoden an realen Situationen aus Ihrem Arbeitsalltag.
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